Verbreitete Irrtümer

Zum Lipödem kursieren einige Aussagen, die sich hartnäckig halten, obwohl sie nicht zutreffen oder zumindest unvollständig sind.

Stand: 3. September 2026 · Alle Angaben mit Quellen belegt

„Lipödem ist nur eine Umschreibung für Übergewicht"

Nein. Das Lipödem ist eine eigenständige Erkrankung mit anderer Verteilung, anderem Beschwerdebild und anderem Verhalten gegenüber Diät und Sport. Es tritt häufig gemeinsam mit Adipositas auf — das ist der Grund für die Verwechslung, nicht ihre Rechtfertigung.[1]

„Zehn Prozent aller Frauen sind betroffen"

Diese Zahl ist eine Schätzung auf schmaler Datengrundlage und wird fachlich bestritten.[2][3] Belastbare Prävalenzstudien nach den heutigen Kriterien fehlen. Wer die Zahl ohne Einordnung verwendet, gibt eine Schätzung als Tatsache aus.

„Abnehmen bringt beim Lipödem nichts"

Zu pauschal. Das krankhaft vermehrte Fettgewebe an Armen und Beinen reagiert kaum auf Gewichtsabnahme. Eine zusätzlich bestehende Adipositas ist aber sehr wohl beeinflussbar, und ihre Behandlung ist ausdrücklich vorrangig.[1] Der Body-Mass-Index spielt zudem bei der Frage der Kostenübernahme eine Rolle.

„Lymphdrainage baut das Fettgewebe ab"

Nein. Die Lymphdrainage zielt auf Beschwerdelinderung. Eine Reduktion des Fettgewebes leistet sie nicht.[1]

„Lipödem und Lymphödem sind dasselbe"

Zwei verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Merkmalen — Seitengleichheit, Beteiligung von Händen und Füßen, Stemmer-Zeichen. Sie können nebeneinander bestehen, sind aber getrennt zu beurteilen. Siehe Was ist ein Lipödem.

„Die Operation heilt das Lipödem"

Nein. Die Liposuktion entfernt Fettgewebe dauerhaft und kann Schmerzen erheblich lindern. Das Lipödem bleibt eine chronische Erkrankung. Von Heilung zu sprechen wäre irreführend.

„Für Kompression reicht Rundstrick"

In der Mehrzahl der Fälle nicht. Die Leitlinie empfiehlt beim Lipödem flachgestrickte Versorgung.[1] Rundstrick kommt nur bei gleichmäßiger Form ohne größere Umfangssprünge infrage. Siehe Kompression.

„Das Stadium entscheidet, ob behandelt wird"

Nicht mehr. Die Stadieneinteilung beschreibt die Form des Gewebes, nicht den Leidensdruck.[1] Und seit Juli 2026 ist die Liposuktion unabhängig vom Stadium Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.[4]

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL): S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0, Stand 22.01.2024, gültig bis 21.01.2029. register.awmf.org
  2. Kruppa P et al.: Deutsches Ärzteblatt International 2020; 117: 396–403.
  3. Herpertz U: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 118, Heft 3, 22.01.2021. DOI 10.3238/arztebl.m2021.0059
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss: Beschluss vom 17.07.2025, in Kraft seit 09.10.2025; Kassenärztliche Bundesvereinigung, Praxisnachricht vom 11.06.2026.