Die komplexe physikalische Entstauungstherapie
Unter dem Begriff KPE werden fünf Bausteine zusammengefasst: manuelle Lymphdrainage, Kompression, Bewegung, Hautpflege und Selbstmanagement.[1] Beim Lipödem hat nicht jeder Baustein dasselbe Gewicht.
Kompression
Die Kompressionsversorgung ist der zentrale Baustein. Sie dient der Schmerzlinderung und der Stabilisierung des Gewebes bei Bewegung, nicht der Reduktion von Fettgewebe. Welche Strickart beim Lipödem verordnet wird und wie das Rezept läuft, steht ausführlich auf der Seite Kompression.
Manuelle Lymphdrainage
Für die Lymphdrainage als alleinige Maßnahme beim reinen Lipödem fehlt ausreichende Evidenz.[1] Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn zusätzlich ein Lymphödem besteht oder wenn die Kompression allein die Schmerzen nicht ausreichend lindert. Ziel ist die Linderung von Beschwerden — nicht der Abbau von Fettgewebe.
Seit einer Änderung der Heilmittel-Richtlinie ist das Lipödem eine eigenständige Indikation für Lymphdrainage. Zuvor war dafür ein zusätzlich diagnostiziertes Lymphödem nötig.[2]
Bewegung
Empfohlen wird Bewegung möglichst in Kompression. Als besonders verträglich gelten Bewegungsformen mit geringer Gelenkbelastung, etwa im Wasser. Eine bestimmte Sportart ist nicht vorgeschrieben; entscheidend ist, dass sie sich dauerhaft durchhalten lässt.
Gewicht und Ernährung
Hier ist eine Unterscheidung nötig, die häufig verwischt wird. Das krankhaft vermehrte Fettgewebe an den Gliedmaßen reagiert kaum auf Diät und Sport. Eine gleichzeitig bestehende Adipositas dagegen ist gut beeinflussbar — und sie zu behandeln ist ausdrücklich vorrangig.[1] Eine Gewichtszunahme sollte vermieden werden, unter anderem weil der Body-Mass-Index für eine spätere Kostenübernahme der Operation eine Rolle spielt.
Eine für das Lipödem spezifische Diät, deren Wirksamkeit belegt wäre, gibt es nicht. Verschiedene Ernährungsformen werden diskutiert; belastbare Studien dazu fehlen.
Eine Liposuktion ist keine Behandlung der Adipositas, und eine Adipositasbehandlung ersetzt keine Lipödemtherapie. Beide Befunde werden nebeneinander beurteilt.
Apparative intermittierende Kompression
Ergänzend kommt die apparative Kompression zum Einsatz, bei der Manschetten in Intervallen aufgepumpt werden. Eine Pilotstudie fand keinen zusätzlichen Effekt auf das Volumen, bewertete das Verfahren aber als sicher und zeitsparend.[1]
Wenn die konservative Therapie nicht ausreicht
Führt eine leitliniengerechte konservative Behandlung über einen längeren Zeitraum nicht zu ausreichender Linderung, kommt eine Liposuktion in Betracht. Die Voraussetzungen dafür sind seit 2026 neu geregelt — siehe Liposuktion und Kostenübernahme.
Quellen und weiterführende Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL): S2k-Leitlinie Lipödem, AWMF-Registernummer 037-012, Version 5.0, Stand 22.01.2024, gültig bis 21.01.2029. register.awmf.org
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Heilmittel-Richtlinie, Anlage 1 (Heilmittelkatalog), Regelungen zur manuellen Lymphdrainage. g-ba.de